Bianca

Mein Name ist Bianca und ich wurde 1979 geboren. Wie die meisten habe ich mein “Reiterleben” auf den typischen Ponyhöfen begonnen (rückblickend schade um die vielen Jahre)

Als kleines Mädchen hatten wir zwei Strassen von meinem Zuhause entfernt einen Ponyhof. Immer, wenn ich 5 Mark gespart hatte, bin ich ganz aufgeregt dort hingerannt um für 15 Minuten Ponyreiten zu machen. Natürlich wurde jede Chance genutzt (Besuche von Opa und Oma) um die begehrten 15 Minuten Glück auf dem Ponyrücken zu bekommen. Und die Tage wo ich keine 5 Mark hatte, habe ich eben einfach am Zaun gestanden und zugesehen.

Als ich dann so 8 Jahre war konnte ich nun endlich meine Eltern überzeugen, dass ich ganz unbedingt und lebensnotwendig Reitunterricht nehmen muss. Und dann ging es endlich los. Wagemutig hab ich mich auf die buckelnden  Ponies gesetzt die sonst keiner wollte, ich fand sie toll. Meine Reitlehrerin war ein “typisches Pflegemädchen” so dass ich zwar lernte mich alleine auf einem Pferd zu halten und es auch irgendwie anzuhalten und abzubiegen, aber mit reiten hatte das nichts zu tun.

Dann kamen die ersten Reiterferien in Hohenrode und ich bekam meinen ersten Unterricht an einer Longe. Sitzschule. Erst war ich etwas empört, wo ich doch alle buckelnden Ponies locker sitzen konnte, doch dann kamen langsam die ersten Erkenntnisse. Ich hörte Dinge, wie zügelunabhängiger Sitz und Paraden, zum ersten Mal.

Wieder in Berlin und ein Reitunfall im Gelände später, wechselte ich nach Rudow und hatte das wundervolle Glück eine wirkliche Trainerin zu haben, die auch auf Reitschulpferden guten Unterricht machte. Nach zwei Jahren ist Sie aus Berlin weg und die besagten “Pflegemädchen” übernahmen den Unterricht.

So ging es nicht weiter und ich machte einen kurzen Ausflug in den Reitverein Lichtenrade, aber hier war ich nicht glücklich und wechselte in den Reitverein Neubeeren.

Neubeeren hat mich damals reiterlich sehr weit gebracht. Durch die recht feste Zuordnung eines Reitpferdes konnte man sich als Team gut einspielen. Damals hatte ich eine Hannoveraner Apfelschimmelstute die mich im Springen sicher durch den Parcours und in der Dressur auf ein gutes L/M- Niveau brachte. Bis hierhin war klassische Reiterei, wie wir sie heute kennen, nicht bekannt. Es gab die FN und gut ist. Sein Pferd runterzuriegeln und aktive Arbeit am inneren Zügel, so wie das durchtreiben, war ein Standard, wie man ihn leider auch heute noch in fast jeder Reitschule antrifft. Und warum hätte man dies auch je in Frage stellen sollen?

1992 legte ich bei meinen Reiterferien meine restlichen Reitabzeichen mit Erfolg ab. In den Ferien hatte ich die Anfänger und Longenstunden übernommen und mir damit extra Reitstunden erarbeitet.

Mein erstes Erlebnis was das Horsemanship betraf, war auf der Hippologica  ( so 1994) bei einer Vorstellung von Monty Roberts. Ich war absolut begeistert. Als ich in Neubeeren durch einen Wechsel auch noch meinen Trainer verlor, zog ich mich aus der FN Reiterei zurück und mit Monty Roberts im Hinterkopf suchte ich meine erste Reitbeteiligung.

Eine Fjordstute, die lange nicht aktiv bewegt wurde, wurde mein erstes Projekt sich dem Pferd auf eine andere Weise zuwidmen. Ohne Turnierambitionen .So verbrachte ich eine lange Zeit auf Platz und Gelände ohne Sattel, nur mit einem Halter und einem Strick, ritt über Felder, Wiesen und über Galoppstrecken. Dieses Gefühl, ohne alles mit dem Pferd arbeiten zu können, war für mich das schönste was ich je mit Pferden erlebt habe. Die Stute wurde verkauft, weil die Besitzerin keine Zeit mehr hatte und es folgten ein paar RB’s für die Sommerferien.

Mit Beginn der Ausbildung und des Studiums legte ich eine Pferdepause ein. Ab und zu war ich mal reiten, aber nichts regelmäßiges. Bis ich eines Tages nach Großziethen fuhr und ein Mädchen mit Ihrem Pferd am Straßenrand spazieren ging. Ich weiss nicht warum, aber in diesem Moment sind mir so die Tränen gekommen und ich wusste, dass es ohne Pferde in meinem Leben einfach nicht geht.

Also musste wieder ein Pferd her. Eigentlich sollte es ein Reitbeteiligungspferd sein, welches eine gute solide Dressurausbildung hat und mich damit wieder auf mein altes Niveau bringt,. Es wurde ein Pferd welches nichts wirklich konnte und schon lange nur rumstand. Total demotiviert und abgestumpft, ohne jeglichen Spass an irgendetwas. Monty Roberts war mittlerweile ein Guru und Horsemanship kein Fremdwort mehr. Und dann war da ja noch die Apassionata. Diese wunderschönen edlen Pferde die voller Ergeiz Lektionen liefen und diese wundervollen Freiheitslektionen absolvierten. Diese harmonische Arbeit zwischen Mensch und Pferd- da wusste ich was mein neues Ziel ist.

Nach googlen und viel lesen im Netz begann ich erstmal mit der Arbeit vom Boden. Ich wollte dieses mysteriöse Pferdeflüstern einfach lernen. Also lernte ich es und arbeite mit meinem damaligen RB- Pferd danach mit einem Pad Parelli Trainer. Dieses wurde auch schnell belohnt, auf einmal hatten wir endlich eine Basis miteinander zu kommunizieren. Reiterlich lief er auch endlich ein reelles A-Niveau und wir waren ein super Team und ich wusste was mein Weg ist. Nie wieder wollte ich ein Pferd zwingen etwas für mich zu tun, sondern es durch Motivation und Fairplay zur Arbeit begeistern. Und es funktionierte!

Ich nahm immer mehr Unterricht bei lizenzierten  Trainern und sah immer mehr das Elend um mich herum. Ich wollte unbedingt all diese missverstandenen  Pferde/Mensch Kombinationen wachrütteln und helfen und bekam schnell den Dämpfer, das viele gar nichts ändern wollten. „Auf Turnier sind wir erfolgreich also ist es richtig“ war die Antwort.

Als dann die Besitzerin sah, wie nett Ihr Pferdchen doch nun ist und er nun sehr auf mich fixiert war (durch die Bodenarbeit blieb das nicht aus), entschied sie, das sie es lieber hat, dass das Pferd nur sie liebt und nahm ihn mir weg.  Ich unterrichtete noch weiter, aber ohne eigenes Pferd war es irgendwie leer in mir.

Das war der Moment an dem ich folgendes entschied: Ich wusste was mein Ziel ist. Ich wollte mit Pferden reden können, diese durch Motivation davon zu überzeugen mit mir zu arbeiten bis in die hohen Lektionen, Freiheitsdressur auf Vertrauen und Spass und das Pferd sollte immer Pferd seien dürfen. Ich wollte einen Partner – kein Sportgerät!

Aber wenn ich diese ganze Zeit nochmals investiere, dann nur noch mit meinem eigenen Pferd.

Nach etlichen schlaflosen Nächten und tausend Rechenbeispielen kaufte ich mir im Oktober 2007 meinen Traum. Meinen Andalusier “El Gaditano”. Damals war er 5 Jahre und bewusst absolut roh.

Nun 2010 ist er 8 Jahre und trägt mich mittlerweile in die Piaffe.

Die letzten Jahre habe ich viele Lehrgänge besucht bei Trainern aus der spanischen Hofreitschule und Bodenarbeitslehrgänge. Lehrgänge für Stangenarbeit und Zirkuslektionen. Ich nenne hier bewusst KEINE Namen, da oft gedacht wird, man würde nach diesem Schema auch unterrichten. Ich passe aber jedes Training an das bestehende Pferd-/Reiterpaar an. Es gibt Dinge die müssen aufeinander aufbauen, aber der Weg dahin sollte und muss immer flexibel gehalten werden!

Nach welchen Grundsätzen bilde ich aus:

“Dein Pferd ist Dein Spiegel” ist eine Aussage in der so viel Wahres steckt. Nicht umsonst werden gerade Personalführer geschult am Pferd. Wenn Du sauer bist auf Dein Pferd, kannst Du es genauso auf Dich sein! Denn es spiegelt nur das wieder was wir tun.

” Das Pferd ist nicht für die Dressur da, sondern die Dressur für das Pferd” wird ein Pferd KORREKT geritten, ist Dressur ein wundervoller Weg ein Pferd zu gymnastizieren und dadurch lange gesund zu erhalten. Schließlich wollen wir unseren treuen Partner lange an unserer Seite haben und nicht 8-jährig ausmustern, weil er uns keine Erfolge mehr bringt.

“Der Weg ist das Ziel” auch wenn der Anfang einen oft zur Verzweiflung bringt, schließlich müssen wir eine komplett neue Sprache lernen (pferdisch) und was wir dann dafür geschenkt bekommen ist unersetzlich- aber man muss durchhalten.

Wer also mit seinem Pferd eine harmonische Einheit bilden möchte, am Boden wie aus dem Sattel aus, und dessen Ziel es ist, das Pferd so lange wie möglich gesund zu erhalten, ist bei mir genau richtig.

Bianca

Mitglied beim:

Comments are closed.